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Spaß auf dem Anti-Islamisierungskongress

20. September 2008

Gestern startete der von der rechtsextremen Gruppe Pro Köln „organisierte“ Anti-Islamisierungskongress in Köln. Der offizielle Anlass war der geplante Bau einer neuen Moschee in Köln, inoffiziell dürfte das aber nur ein guter Vorwand gewesen sein, um rechte Politiker nach Köln zu holen, die Zusammenarbeit zu besprechen und gegen alles zu hetzen, was nicht schon bei zwei (!!) auf den Bäumen ist.

Angekündigt waren viele politische „größen“ aus dem Ausland, unter anderem Le Pen von der Front National aus Frankreich. Im Grunde genommen war das die einzige wirklich bekannte Person. Leider sagte Le Pen ab, was dem ganzen Spektakel etwas Dramatik nahm. Dramatisch hingegen war die groß angelegte Gegendemonstration, die war nämlich wirklich international, ziemlich groß und schon am Vormittag in ganz Köln sehr präsent.

Im Vorfeld schon wurde von Seiten der Polizei ein gewisser Unwillen gezeigt, viel für ein Gelingen des Kongresses beizutragen, ein Sprecher sagte frei zitiert, dass man wenigstens den ernsthaften Versuch unternehmen müsse, die „Politiker“ zu ihrem Versammlungsort zu bringen. Gleichwohl wolle man aber nicht um jeden Preis den Weg frei knüppeln.

Was tatsächlich geschah war dann tatsächlich nicht so viel. Die Fuktionäre lotsten die Presse an den Rhein, wo eine Pressekonferenz auf einem Ausflugsdampfer geplant war. Der Polizei hatte man sicherheitshalber nichts verraten, so kam es dann auch, dass die Gegendemonstranten schneller da waren.
Die Pressekonferenz oder wie man das, was dann auf dem Schiff geschah sonst nennen soll, viel dann irgendwie ins Wasser, da der ohnehin verärgerte Kapitän (das Schiff wurde unter dem Vorwand gebucht, dass ein Treffen von Rechtsanwälten stattfinden solle) kurzerhand mit ein paar Journalisten und den braunen Herren ablegte, da Linksextreme sein Schiff mit Steinen bewarfen. So saß die Gruppe dann mehrere Stunden lang auf dem Rhein fest.

Die Mitglieder der belgischen Vlaams Belang hatten den rettenden Einfall und spielten Karten, während den Österreichern (FPÖ) nur übrig blieb, gegen die deutschen Polizisten zu wettern, da sie das Schiff nicht ausreichend geschützt hätten. Ironie des Schicksals. Man verrät ihnen nicht, wo man hinwill, hätte aber gerne trotzdem Rundumschutz.

Nach der netten Bootstour wollten die meisten nur noch weg. Dummerweise war auch das gecharterte Busunternehmen inzwischen darauf gekommen, dass da tatsächlich die Rechtsextremen transportiert werden sollen und hatte den Vertrag kurzerhand gelöst. Busse standen also nicht mehr bereit.
So wurde bei der ach so inkompetenten Polizei gebettelt, auf die Frage an den Einsatzleiter „Wie kommen wir denn hier weg?“ gab es die Antwort „Also, wir halten Sie ja nicht auf, sie können sich ja ein Taxi rufen“. Ein anderer Polizist sprach von eigenkreativer Tätigkeit der Funktionäre.
Aber auch die Taxizentrale wollte sich nicht erweichen lassen, ein paar Autos zu schicken, nachdem am Vormittag schon ein paar Wagen mit Farbbeuteln neu lackiert wurden. So spielte letztendlich doch die Polizei den Fahrdienst und schickte zivile Fahrzeuge. Vermutlich wollten auch die Beamten langsam nach hause.

Wenn so kein gelungener Auftakt zu einem internationalen Kongress gegen die Islamisierung aussieht, wie dann??

Edit: Anscheinend siehts heute nicht besser aus für die Rechtsextremen. Köln ist voll mit Gegendemonstranten und Pro Köln sitzt am Flughafen fest, der Bahnhof Deutz ist blockiert und der Zugverkehr zwischen Bahnhof und Flughafen eingestellt.

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