JAKO versucht sich in Schadensbegrenzung [UPDATE]

Gestern bereits schrieb ich darüber, da noch ohne den Namen der Firma zu nennen, wie die Sportbekleidungsfirma JAKO mit der etwas wackeligen Abmahnung gegen einen Sportblogger eine gründliche Bruchlandung in Sachen PR und Umgang mit den neuen Medien hinlegte.

Der Ablauf

Trainer Baade zog über das neue Logo der Firma her (im Bild zu sehen), dabei fielen Wörter wie Scheiße, ebenso verglich er JAKO mit Aldi und Lidl und nannte den Bekleidungshersteller eine “Schlurchmarke”.
Daraufhin wurde er von einer Anwältin der Kanzlei Horn & Kollegen abgemahnt und sollte eine Strafe von 1.085€ Zahlen, ebenso eine Unterlassungserklärung abgeben und den Artikel löschen. Dies tat der Blogger.
Damit war das Thema allerdings nicht vom Tisch, ein Newsaggregator hatte das Blog inzwischen gecrawlt und den Text bei sich veröffentlicht, ohne dass der Blogger davon wusste, oder einen Einfluss darauf hatte. Die Anwältin forderte eine Vertragsstrafe von 5.100€, sowie das Unterzeichnen einer weiteren Unterlassungserklärung mit einem Vertragsstrafenversprechen in Höhe von 10.000€, da der Blogger in ihren Augen den Artikel weiter zur Verfügung stellte.

jako

Die Konsequenzen

Nun also forderte die Anwältin 5.100€, im Falle des rein zufälligen Auffindens einer weiteren Kopie des Artikels wären dann auch noch die 10.000€ fällig.

Da schon die erste Abmahnung ziemlich wacklig erschien (Aldi und Lidl finden es sicherlich nicht gut, wenn die Anwältin ihre Unternehmen als unwürdig darstellt, in einem Atemzug mit JAKO genannt zu werden, außerdem: wie kann man ein Logo oder eine Marke beleidigen? Wie kann ein Blogpost, der 400x gelesen wurde, ein Unternehmen mit nach eigenen Angaben 60 Mio Euro Jahresumsatz, welches sich auf Augenhöhe mit Adidas sieht, nachhaltig schädigen?), trat nun ein weiterer Blogger auf den Plan: allesaussersport berichtete ausführlich von dem Fall.
Nun geschah etwas, was man Bloggersolidarität nennt. Was das Aufspüren von Ungerechtigkeiten angeht, sind Blogger ja bekanntlich schon immer eine starke Waffe, wenn man dann mit der Berichterstattung auch noch einen solchen Fall ans Licht zerren kann und damit einem Kollegen helfen kann, führt eigentlich kein Weg mehr am Publizieren und Verbreiten vorbei. Und das taten dann auch gleich mehrere hundert Blogger und Twitterer, was zur Folge hatte, dass die unschöne Sache bei der Suche nach “JAKO” bei Google gleich auf der ersten Seite erschien. Inzwischen wusste eigentlich jeder Blogger von dem Fall, die Lawine war in voller Fahrt.

Nur von Seiten von JAKO hörte man nichts.

Inzwischen war ein Tag vergangen, nun trat die Presse auf den Plan, Heise, Spiegel und das Handelsblatt berichteten online über den Fall, nach Schätzungen des Handelsblattes wussten inzwischen hunderttausende empörte potentielle Kunden über das Gebahren der Firma bescheid. Im Handelsblatt hieß es weiterhin, dass JAKO nun auf den Blogger zugegangen war. Die Angaben hatte Herr Baade dem Blatt gegenüber persönlich gemacht. Die Forderung über 5.100€ wurde fallen gelassen. Dem Blogger zufolge soll auch die erste Forderung nichtig gemacht werden, wenn er sich in seinem Blog positiv über das Entgegenkommen der Firma JAKO äußere. Eine Pressemeldung des Unternehmens indes gibt es bislang nicht.

Jetzt also schnell versuchen, sich in einem besseren Licht darstehen zu lassen? Hoffentlich bekommt es niemand mit? Dafür ist es nun zu spät, selbst in der Wikipedia ist ein entsprechender Absatz, zumindest vorerst, eingefügt und warnt jeden, der sich über die Firma informieren will:

Umgang mit Kritik im Internet

Im Sommer 2009 wurde JAKO wegen des Umgangs mit Kritik an der Marke durch einen Blogger scharf kritisiert. JAKO war über die Rechtsanwaltskanzlei Horn & Kollegen juristisch gegen satirische Kritik am Design des neuen Unternehmenslogos vorgegangen und hatte trotz unterzeichneter Unterlassungserklärung und kooperativem Verhaltens des Beschuldigten Strafzahlungen in vierstelliger Höhe verlangt. Als Grund wurde angegeben, dass der beanstandete Beitrag zwar von dem Blogger umgehend gelöscht worden war, er diesen aber später erneut auf einem in Tschechien betriebenen Aggregator veröffentlicht haben soll. Der Unterlassungsanspruch bezog sich neben der Kritik am Logo auf einen im Beitrag enthaltenen Vergleich der Marke mit den Discountern Lidl und Aldi. Auf Nachfrage erklärte die Pressesprecherin von Jako am 1. September, dass es sich um ein Missverständnis handle und man auf den Blogger zugehen wolle, um den Vorfall in einer gemeinsamen Erklärung „richtig zu stellen“.

Nun war alles ein Irrtum? Nachdem die erste Forderung im Mai gestellt wurde? Oder versucht man nun sein Image zu retten, nachdem man es selber innerhalb von 24 Stunden zumindest im Internet so ziemlich zerstört hatte? Schadensbegrenzung sieht aber für mich anders aus, vielleicht sollte man davon Abstand nehmen, die Abmahnung unter der Bedingung zurückzunehmen, dass der Betroffene lügt, um das Image aufzupolieren…

Übrigens: Wie weit ist der Weg von den Onlineportalen von Spiegel, Heise und dem Handelsblatt in die Printmedien und in gewisse TV-Sendungen? Sollte man nicht lieber in solch einer Position zurückrudern und bedingungslos alle Positionen aufgeben?

Wenn das die ersten Gehversuche des Unternehmens im Bezug auf Social Media waren, sind sie gründlich fehlgeschlagen.

[UPDATE 03.09.2009]

JAKO hat inzwischen eine Pressemitteilung herausgegeben, zu finden ist sie auf der Homepage des Unternehmens. Lest sie euch durch und bildet euch eure eigene Meinung.
Hiermit ist das Thema auf wemaflo.net abgeschlossen (soweit der Stand der Dinge sich nicht gravierend ändert).

Noch ein kleines Foto der Mitteilung zum Andenken:

jako_pm

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2 Antworten auf JAKO versucht sich in Schadensbegrenzung [UPDATE]

  1. Cruelty sagt:

    Also ich werde sicherlich niemals Jako kaufen, da ich die Marke ja anscheinend nicht auf meinem Blog rezensieren darf. ;) Alex von Karstadt ist meiner Meinung nach eh besser. ;)

    Nein wirklich, das war das schlimmste was man mit der Netzkultur machen konnte. Dann auch noch mit einem Sportler, der die Marke ja anscheinend genutzt hat oder zumindest kannte. Sportler halten zusammen und ich hoffe doch, dass dieses Verhalten zu massiven Umsatzeinbußen führen wird.

    Falls irgendwer den Verantwortlichen für den Beitrag hier sucht: http://icru.de/impressum Nicht wemaflo dafür verantwortlich machen. ;)

  2. Pingback: probek.net

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