Un eima die Bildung.

Auf dem Weg zur Arbeit hielt ich in den letzten Jahren oft beim Bäcker an, um mir Brötchen für die Pausen zu holen. Ich war, obwohl ich recht früh dort war, nur selten alleine in einer Backstube, was wohl daran liegt, dass Handwerker allgemein gerne Brötchen für die Pausen dort kaufen.
Neben den Handwerkern kommen morgens auch gerne Rentner und Hausfrauen (was eine reine Vermutung ist) in die Bäckereien, um Backwaren für die Familien zu besorgen.
Soweit ist das ja alles nicht sonderlich erstaunlich. Was mich aber erstaunt, ist die Auswahl an Presseerzeugnissen. Es gibt (zumindest da, wo ich meistens einkaufte) die Braunschweiger Zeitung und die Peiner Allgemeine Zeitung, davon liegen Morgens etwa je 10 Exemplare im Aufsteller. Daneben gibt es ab und zu noch große Zeitungen wie die SZ oder die FAZ. Davon etwa jeweils 3.

Interessanter ist aber die Seite des Aufstellers. Dort hängen die so genannten Frauenzeitschriften.

Sie überbieten sich allesamt mit den Pfunden, die man dank Kartoffel-, Buletten- oder Blumenkohldiät verlieren kann und präsentieren schlanke Frauen, die strahlend eine Hose hoch halten,  mit welcher man auch locker den Reichstag hätte verhüllen können. Diese 40 Pfund nimmt man mit der angepriesenen Diät, so verspricht das Titelblatt, mühelos innerhalb von 4 Wochen total gesund ab. Klingt logisch.

Weniger logisch aber dessen unbeeindruckt sieht man aus der Mitte solcher Zeitungen eingelegte Rezepthefte für wahlweise die 70 leckersten Sahnetorten, die 23 besten Schokoladendesserts oder die 10 schnellsten Gerichte aus der Fritteuse.

Was soll ich sagen, klischeeerfüllenderweise kaufen die Hausfrauen diese Magazine, dazu ein Stück von jedem Kuchen.

Was man in diesem Aufsteller vergeblich sucht, ist die Bild. Vermutlich allein der Menge wegen. Die Stückzahl ist zu groß für den Aufsteller, deshalb liegt sie direkt auf dem Tresen. Und ein Stapel steht dahinter.

Kommt nun, ja auch hier wird freudig das Klischee erfüllt, ein Handwerker oder gar eine ganze Gruppe in den Laden, wird an die Brötchenbestellung quasi automatisch der Halbsatz “Un eima die Bildung” angehängt. So wandert dann auch das aktuellste Wissen über nächtliche Aufenthalte einer Gina-Lisa oder brandheiße News vom Porno-Mörder über den Tresen. Und es wird ohne Ironie oder Zweifel die Bildung genannt.

Jetzt interessiert mich: Was verleitet dazu, eine solche Zeitung zu kaufen? Was will man darin lesen? Hier sind auch anonyme Kommentare ohne Mailangabe erlaubt, also nur zu! Ich bin gespannt, ob es jemand erklären kann.

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