Zuerst einmal zu den Fakten: Zwischen Alvesse und Üfingen im Landkreis Peine wurde trotz massiver Proteste und Widerstände aus der Bevölkerung und der Bauernschaft eine große Hähnchenmastanlage für fast 85.000 Hähnchen gebaut. Sie besteht aus zwei großen Ställen. Diese Mastanlage wurde fast fertiggestellt, bisher befanden sich aber keine Tiere in den zwei Ställen.
In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden die freiwilligen Feuerwehren Vallstedt-Alvesse, Wierthe, Vechelde-Wahle, der Versorgungszug Köchingen und die Berufsfeuerwehr Salzgitter alarmiert und zur Mastanlage gerufen, da einer der beiden Ställe brannte. Trotz aller Bemühungen brannte der Stall fast komplett ab, der andere Stall konnte von den fast 110 Kameraden gesichert werden. Die Nachlöscharbeiten übernahm die freiwillige Feuerwehr Sonnenberg.
Sonntagabend gegen 23 Uhr rückten wieder einige Feuerwehren aus, da erneut ein kleineres Feuer im bereits abgebrannten Stall ausbrach.
Der durch das Feuer entstandene Schaden wird auf etwa 500.000 € geschätzt, die Brandursache ist offiziell unklar. Ob der Stall wiederaufgebaut werden kann oder komplett neu gebaut werden muss, konnte noch nicht festgestellt werden.
Wer nach all den Bürgerprotesten, Demonstrationen, Feldbesetzungen und gewaltsamen Räumungen durch Befürworter eins und eins zusammenzählt und nicht an einen tragischen Zufall glaubt, wird seine Augen nicht davor verschließen können, dass Brandstiftung als Brandursache nicht besonders weit her geholt ist. Diese Ansicht teilt übrigens auch die Polizei und ermittelt erstrangig in die Richtung der Brandstiftung.
Nun zu meiner Frage aus der Überschrift: Darf man solche Aktionen noch als Widerstand bezeichnen? Denn wenn es Brandstiftung war, wird es als ein solcher Akt gedacht gewesen sein.
Meine Meinung: Ganz klar nein. Auch ich bin ein Gegner der Massentierhaltung und sehe es nicht im geringsten als Artgerecht an, Tiere zu tausenden zusammengepfercht in riesigen Hallen zu mästen, bis sie schlachtreif sind. Und ich bin auch niemand, der Besetzungen von Äckern, Stadtparks oder Castorstrecken verurteilt.
Aber es geht ganz klar zu weit, wenn Anlagen angezündet werden. Mehr als hundert Feuerwehrleute riskierten ihr Leben (das klingt zwar seltsam, ist aber wahr), ein Bauer verlor einen Stall (wer zahlt bei Brandstiftung?), eine friedliche Bürgerinitiative sieht ihre gesamte Arbeit kriminalisiert und Gegner von Bürgerprotesten haben mal wieder ordentlich Meinungsmachmaterial für die nächsten Vorhaben (Endlager Schacht Konrad?) gesammelt.
Und jetzt ihr: Was haltet ihr davon? Kann man noch von Widerstand sprechen oder ist auch Gewalt gegen Sachen zu verurteilen? Ich würde mich freuen, auch eure Meinungen zu lesen.
Nachtrag 19.07.
Inzwischen geht die Polizei öffentlich von Brandstiftung aus und hat einen technischen Defekt ausgeschlossen. Der zweite Brand am Sonntagabend betraf den Teil des Stalles, der noch nicht völlig abgebrannt war.

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Vielleicht konnte auch nur ein Gourmet nicht warten und wollte unbedingt sein Brathähnchen? ;)
Spaß beiseite: Wer sich als Tierschützer versteht und solche Aktionen durchzieht, sollte ernsthaft den Grad seiner Tierliebe und seinen gesunden Menschenverstand hinterfragen. Mit Sicherheit ist die Massentierhaltung eine der schlimmsten und verachtenden Dinge, die man Tieren antun kann. Aber das rechtfertigt noch lange nicht das Begehen einer Straftat, bei der man in solchem Maße Mensch und Tier gefährdet und mutwillig fremdes Eigentum zerstört.
Das wäre schade für den Gourmet, denn die Anlage war noch nicht in Betrieb und keine Hähnchen drinnen.
Mensch wurde sicherlich gefährdet (in Form von Feuerwehrleuten und Betreibern), Tiere aber nicht.
Immerhin etwas.
Well .. Brandstiftung ist ein vermeintlicher logischer Schluss. Versicherungsbetrug ist ebenso zulässig, weil der Hühner-KZ-Betreiber wohl weiterhin angefeindet würde, mit massiven Widerständen rechnen darf und das Ganze eben sehr anstrengend für ihn wird. Da liegt es, wenn man so will, auch nahe das als “Brandursache” zu unterstellen. Zumal der Verdacht ja so einfach in Richtung Gegner geschoben werden kann. ;)
Zu deiner Frage …
Ich lehne Gewalt ab. Es ist kein legitimes Mittel zur Durchsetzung von Interessen in einem demokratischen und zivilisierten Land. Bleibt die Frage nach der Definition von Gewalt. Nach meinem Empfinden ist das durchpauken einer solchen Anlage gegen wen Willen der Anwohner auch Gewalt. Und deshalb auch fragwürdig.
Wenn es tatsächlich eine Brandstiftung der Gegner war, so kann ich die Motivation nachvollziehen.
Da hast du wohl Recht. Andererseits wusste der Betreiber das ja auch vor dem Bau der Anlage… Es wäre sicher möglich, aber für mich klingt es irgendwie unlogisch, dass der Bauer erst viel Kraft aufbringt, um das ganze Projekt durchzubringen, die Hallen dann fertig baut und sie vor Inbetriebnahme abbrennt (anstatt sie vielleicht an den Großschlachthof zu verkaufen oder an einen anderen Betreiber).
Klar, die Motivation kann auch ich nachvollziehen. Und wenn Dinge gegen den Willen einer gefühlten Mehrheit durchgedrückt werden, entsteht immer Wut. Aber trotzdem halte ich das für absolut verachtenswert.
Versteh mich nicht falsch. Ich heiße das nicht gut, aber ich kann es nachvollziehen, dass eine ohnmächtige Wut jemanden zu solchen Handlungen hinreissen lässt. Ich finde es verachtenswert, dass jemandem aus reiner Profitgier nichts anderes einfällt, als ein Hühner-KZ zu bauen. Wer das Geld dafür hat, kann es auch anders investieren. So ein Mensch ist nicht weniger skrupellos als ein Brandstifter.
Und was den Versicherungsbetrug angeht .. also bitte lieber Wemaflo .. es wäre nicht das erste mal, das so ein Ding durchgezogen wird.
Wir wissen bisher nicht was da gelaufen ist. Ich tendiere auch eher zur Brandstiftung durch die Gegner. Aber ich weigere mich, den Bau des KZ als moralisch wertvoller und schützenswerter anzuerkennen. Der Unternehmer ist keinen Deut besser als seine brandstiftenden Gegner. Wobei ich dann auch sehe, dass er in Aktion geht und die Gegner in Reaktion.
Ich verstehe dich nicht falsch und teile durchaus deine Meinung was das angeht.
Man darf übrigens inzwischen von Brandstiftung sprechen, die Polizei schließt einen technischen Defekt inzwischen aus.
Der zweite Brand betraf übrigens den Teil des Stalles, der bislang nicht komplett abgebrannt war. Hier geht die Polizei allerdings noch davon aus, dass ein Glutnest die Ursache war.
Mastanlage hin oder her…
klar ist es scheiße das sie da steht…
aber dann solche mittel zu ergreifen um sie zu zerstören kann ich nicht nachvollziehen…
es ist ja auch nicht die erste Anlage die kurz vor Inbetriebnahme abbrennt…
letztes Jahr vom 29.06 auf den 30.06 hat in Burgdorf eine Anlage gebrannt die für den selben Schlachthof in Wietze liefern wollte…
Dort hat sich die “ALF” in einem Brief zu bekannt.
bleibt abzuwarten wann die zweite Halle brennt…
Ich habe den Bauern am “Unfallort” erlebt und glaube nicht das er Versciherungsbetrug machen wollte, denn er will die Anlage so schnell wie möglich wieder fertig haben…
Ich bin leider erst jetzt auf diesen Beitrag gestoßen, und auch wenn es schon ne Weile her ist möchte ich etwas dazu schreiben.
Gewalt ist keine Lösung wird hier gepredigt.
Was bleibt denn als letzte Konsequenz wenn die Meinung der Mehrheit nicht gehört wird.
Der friedliche Widerstand zwar im Augenwinkel stattfindet aber den eigentlichen Ablauf nicht stört.
Es wird fertig gebaut und in Betrieb genommen, gegen den Willen der Mehrheit.
So läuft es doch immer. Kann man doch super mit Stuttgart 21 gleichsetzen.
Was möchtest ihr denn dann tun? Euch zu Hunderten friedlich vor die Eingangstore setzen, so das keiner dort arbeiten kann? Dann kommt früher oder später die Polizei und holt euch da weg, mit Gewalt, wenn nötig.
Auch wenn ich kein Gewaltanwender bin, steckt viel hinter folgendem Spruch.
Wer nicht hören will, muss fühlen.