Flattr, es gibt momentan nicht sehr viel im Netz, dem mehr Beachtung geschenkt wird. Auch ich verwende Flattr und bin zugegebenermaßen sehr angetan von der Idee, die dahinter steckt.
Doch das System hat einen Fehler. Es unterstützt nur Blogs mit ausreichender Reichweite und Besucherzahl. Kleine Blogs gehen leer aus und machen Verluste. Wieso? Es fängt schon damit an: Es ist nicht möglich, dass alle Nutzer bei Null rauskommen.
Mindestens zwei Euro müssen pro Monat von jedem Nutzer verteilt werden, damit das Konto aktiv bleibt. Wenn also jetzt (rein theoretisch) jeder Nutzer einen Monatsbetrag von zwei Euro festsetzt und (ebenfalls rein theoretisch) jeder Benutzer auch von anderen Benutzern insgesamt zwei Euro zurück geflattrt bekommt, hätte niemand Verluste.
Dort allerdings ist schon der Haken: Flattr zieht jeden Monat 10% von dem ab, was man von anderen Nutzern bekommen hat. Selbst in diesem idealen Beispiel hätte jeder Nutzer am Ende des Monats 10% Verlust gemacht, bekommt also nur 1,80€ zurück.
Jetzt ist es aber auch so, dass kleine Blogs mit wenigen Lesern auch nur wenig Flattr-Beachtung bekommen, große Blogs dagegen viel. Das gesamte zu Flattr überwiesene Geld der Nutzer verschiebt sich also in die Richtung der großen und bekannten Blogs und Seiten, weshalb kleinere Blogs direkt noch mehr Verlust machen oder gar den gesamten Einsatz verlieren.
Prinzipiell ist das alles nur logisch, das Geld wird nur verschoben und mehr als reinkommt, kann nicht rauskommen, trotzdem geht damit die Rechnung nicht auf.
Klar, man will nicht nur verdienen und der Hintergedanke ist ja, den Autoren von Dingen, die man gut findet eine kleine Anerkennung zukommen zu lassen. Aber wer will jeden Monat zwei Euro ausgeben und 12 Cent bekommen? Schuld sind hier keineswegs die profitierenden Blogs, denn die dort bloggenden Personen werden das System sicherlich nutzen, um einen Teil des Erlöses wieder unter die Massen zu bringen, aber wer liest denn Blog XY mit einem Pagerank von 0? Selbst mit dem besten Willen, man stößt gar nicht erst darauf.
Die logische Schlussfolgerung ist, dass sich die ganzen kleinen Blogs (und damit die Finanzierer des ganzen) nach und nach wieder von Flattr verabschieden und das System somit auch für die großen Blogs uninteressant (weil nicht rentabel) wird.
Mal sehen wie sich das ganze entwickelt, ob es auch für mich rentabel bleibt (wird) und ob ich dabei bleibe. Wie gesagt, die Idee finde ich gut. Nur sagt mein Gehirn, dass das nicht funktionieren kann…
Du solltest aber die Leute nicht vergessen, die sich bei flattr anmelden und keine eigene Seite haben bzw. keinen “Nutzen” davon haben. Das mag zunächst unwahrscheinlich klingen, ich kenne jedoch ein paar Leute, die sich nur bei flattr angemeldet haben, um anderen zu geben. Sie haben keinen Nutzen davon, möchten aber einfach die Leute unterstützen, von denen sie im Internet unterhalten werden. Es mag nicht viele von ihnen geben und sie mögen die “10%” auch nicht ausgleichen, hier und da könnten sie aber doch den kleinen Unterschied zwischen + und – ausmachen.
Deine Rechnung ist prinzipiell richtig.
Allerdings geht es bei Flattr nicht darum Beträge so hin und her zu schieben, das am Ende alle auf Null kommen (oder sogar noch Gewinn machen).
Flattr kann sehr gut funktionieren wenn es mehr Konsumenten gibt die bereit sind etwas zu spenden, als Produzenten die damit verdienen wollen. Naturlich haben kleine Blogs es auch dann noch schwieriger — aber dennoch können sie von Flattr provitieren (was nicht bedeutet das jeder kleine Blog zwangsläufig provitieren wird).
Du hast auch recht, dass die 10% pro Monat sehr viel sind. Ich denke in der Anfangszeit kann man das akzeptieren wenn Geld verwendet werden kann um Flattr weiterzuentwickeln — später sollte dieser Anteil aber unbedingt deutlich gesenkt werden.
@Johannes Lötzsch
Danke für deinen Kommentar!
ich wollte nicht sagen, dass Flattr dazu existiert, Geld hin und her zu schieben, um am Ende bei Null raus zu kommen. Das wäre ja auch sehr sinnfrei.
Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass es schlichtweg unmöglich ist, dass alle das wieder heraus bekommen, was sie investiert haben. Das ist nicht schlimm, aber es zeigt schon hier, dass es Verlierer geben muss.
Trotzdem: Die meisten Nutzer von Flattr sind momentan wohl Blogger. Und die nutzen den Dienst, um eventuell einen kleinen Betrag zu bekommen, am Ende des Monats.
Das Blöde daran: Große Blogs können viel geben und bekommen mehr. Kleine Blogs hingegen können geben, soviel sie wollen, sie gehen fast leer aus. Man kann es ansehen wie das Arm/Reich-Gefälle: Die Leserreichen bekommen viel und immer mehr, die an Lesern armen bekommen sehr wenig, obwohl das nichts über die Qualität der Inhalte aussagt.
Wärst du bereit, jeden Monat Geld in etwas zu investieren, von dem du dir Profit erhoffst, wenn nichts zurück kommt?
Es ist quasi, wenn auch sehr logisch, ungerecht.
Ja, wenn es irgendwann mal mehr ausschließliche Konsumenten geben sollte, die bereit sind Geld dafür auszugeben, dass sie Artikel lesen, die ihnen gefallen, dann funktioniert das System (besser). Es muss mehr Geld rein gesteckt werden, als nachher erwartet wird. Dann kann es sich besser verteilen und alle bekommen ihren Teil ab.
Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, denn diese Leser müssen erstmal kommen und sich entschließen, für Dinge, die sich umsonst bekommen Geld zu geben. Es wäre eine Spende für etwas, das ohne die Spende auch existieren würde.
10% halte ich im Moment für gerechtfertigt. Es müssen Kosten gedeckt werden und das System muss weiter entwickelt werden.
Ich denke das wird später je nach Erfolg und Umsatz angepasst.
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@spa
Entschuldigung, du bist im Spam-Ordner gelandet.
Natürlich hast du recht, diese alleinigen Konsumenten habe ich in meinem Artikel nicht erwähnt. Allerdings glaube ich auch, dass es sehr wenige sind.
Ich nutze Flattr prinzipiell aus dem gleichen Grunde. Ich möchte den Autoren eine kleine Anerkennung für den Artikel übergeben. Aber auch ich treibe mich dabei viel auf ziemlich kleinen Blogs mit sehr beschränkter Reichweite herum. Wenn ich denen ihren Anteil am Kuchen Flattere, werden sie es nicht wirklich mitbekommen.
Am Ende des Monats haben sie vielleicht 10 brilliante Artikel geschrieben, dafür 6 Klicks auf den Button und auf der Abrechnung werden zwei Euro eingezogen und 17 Cent gutgeschrieben. Das bringts gerade für die nicht. Da bringt ein “Mag ich” oder “Danke” Button mehr Anerkennung. Die 17ct sind nicht wirklich ermunternd und wirken lächerlich, was den “Anerkennungsfaktor” wieder dramatisch senkt…
Gut, da haben wir andere Sichtweisen. Ich bin an flattr zunächst nicht rangegangen, um Geld zu verdienen. Klar, ein plus am Ende des Monats wäre immer toll. Aber jeder noch so kleine Cent den ich bekomme zeigt mir, dass irgendjemand gut findet was ich mache und bereit ist dafür zu zahlen (natürlich nicht direkt, das macht aber zunächst mal keinen großen Unterschied. Dass man ÜBERHAUPT bereit ist für den “Internetkonsum” zu zahlen ist schon toll). Mich motiviert das. Und selbst bin ich jederzeit bereit anderen etwas für ihre Arbeit zu geben.
Wobei ich hier jetzt auch keine große Diskussion lostreten möchte. Ich verstehe deinen Standpunkt und deine Rechnung. Es wird viele geben, die am Monatsende ein Minus haben. Man kann nur nicht abschätzen, wen das stören wird. Sicherlich werden einige gehen. Dafür werden aber andere kommen (da gehe ich jetzt einfach mal von aus). Ich finde es auf jeden Fall spannend zu beobachten, wie sich das alles noch entwickeln wird.
UND ICH WILL NICHT IN DEN SPAMORDNER! DA RIECHT ES!
Ich hab auch mal einen Beitrag dazu geschrieben. In den Trackbacks zu finden. :) Du solltest unbedingt das Flattr-Widget hinbekommen. Hier geben sich ja einige Leute wirklich Mühe. :)
@spa
Nicht wirklich, wie gesagt, ich nutze es ja auch (auch) genau aus diesem Grund, ich will ja etwas geben. Aber viele werden das nicht so sehen.
Aber wozu bindet man einen solchen Flattr-Button ein, wenn er einem überhaupt nichts bringt?
Naja, wie dem auch sei. Es wird viele geben, die bemerken, dass sich das System für sie nicht lohnt und das System verlassen.
Und wenn die erfolgreichen Blogs Pech haben, wird das in einer Größenordnung geschehen, die es auch für sie unrentabel oder gar zu einem Verlustgeschäft macht. Und wenn das so ist, wird Flattr bald wieder im Tal der absoluten Bedeutungslosigkeit verschwinden.
> Aber wozu bindet man einen solchen Flattr-Button ein, wenn er einem überhaupt nichts bringt?
Zumindest kann man damit zeigen, daß man Flattr (als Konzept, als Spender, als jemand der freiwillig für gute Inhalte zahlt) unterstützt.
> Naja, wie dem auch sei. Es wird viele geben, die bemerken, dass sich das System für sie nicht lohnt und das System verlassen.
Vielleicht. Das wäre schade. Aber vielleicht erkennen diese Leute worum es eigentlich geht, nämlich daß sie ohne viel Stress ein wenig Geld an die taz, Chaos Radio Express, und so weiter schicken können. Danach fühlen sie sich besser, und das lohnt sich ja auch ;-)
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