Wir alle wissen um die Debatten um “Google Steet View” und die Datensammelwut des Suchmaschinenriesen Google insgesamt, derzeit kochen die Diskussionen richtig hoch, Google wird kritisiert, wo es nur geht.
Natürlich sollte man das Abfotografieren von Straßen dann kritisch unter die Lupe nehmen, wenn auch angrenzende Grundstücke mit fotografiert werden und Privatwege zur Sammlung befahren werden, keine Frage. Doch so langsam glaube ich, die Bundesregierung hat etwas gegen Google im Allgemeinen:
Über Basic Thinking habe ich es gerade erfahren, die Street-View-Autos sind mit Geräten ausgestattet, die WLAN-Netze erkennen und kartografieren. Es ist Google mit diesen Kamerawagen also möglich, WLAN-Netze in Reichweite des Autos zu erkennen und dann mit Positionsangaben zu speichern.
Und über genau diese Funktion diskutiert gerade die Politik und die (mir ansonsten sehr sympatische) Datenschützerschaft. Es sei Google nicht erlaubt, diese Netze zu katalogisieren, da sie des Öfteren personenbezogene Daten beinhalten:
Viele WLAN-Betreiber geben Hausnummern oder den eigenen Namen als SSID (Funknetzwerkname) an.
Das allerdings ist absolut nichts neues! Apple stellt so für die früheren iPhones ohne GPS-Modul ein alternatives Ortungs-Netz zur Verfügung und sammelt schon seit langem diese Daten, auch Google kauft die Daten der WLAN-Netze schon länger extern ein. Da die Street-View-Autos aber sowieso durch die Straßen fahren, nutzt Google sie, um die Daten nun selbst zu erheben.
Die scharfe Kritik an dieser Netzwerk-Sammlung halte ich für ziemlich unangebracht. Jeder kann frei entscheiden, wie er sein Netzwerk nennt, jeder kann frei entscheiden, ob sein Netzwerk öffentlich sichtbar ist, oder versteckt.
Und: Jeder, der einen WLAN-fähigen Laptop besitzt, kann sich diesen auf seinen Beifahrersitz stellen und die Gegend nach Netzwerken durchsuchen und sie auch in Karten eintragen.
Vor gar nicht langer Zeit war es noch eine Art Szenesport (Wardriving), die Umgebung nach ungesicherten Netzwerken abzusuchen und diese in Deutschlandkarten zu verzeichnen, es hat sich weder jemand beschwert, noch gab es Datenschutzdiskussionen darüber.
Prinzipiell sammelt die Müllabfuhr genauso personenbezogene Daten, indem sie beispielsweise den Papiermüll abholt, in den die Besitzer nicht selten Kontoauszüge und Quittungen werfen. Ich denke nicht, dass der Papiermüll gemäß den Datenschutzbestimmungen überwacht und entsorgt wird. Wer kontrolliert, was mit den persönlichen Informationen passiert?
Natürlich, dieses Beispiel ist nicht wirklich geeignet, die Theorie dazu passt allerdings.
Die Googlephobie ist Hysterie, nichts weiter. Was du zu den Netzwerkeinstellungen sagst, sehe ich genauso. Was jemand öffentlich zeigt, ist nunmal für jeden sichtbar.
Überhaupt … immer wird Google vorgeführt und quasi an den Pranger gestellt. Dabei ist Google nicht der Einzige und längst nicht der schlimmste Datensammler. Es ist auch noch kein einziger Fall bekannt, nachdem Google die Daten so miteinander verknüpft, wie es überall unterstellt wird.
Im Moment schießt man sich auch noch auf Facebook ein. Gleiches Prinbzip. Viel Panikmache, viel heiße Luft.
Tatsächlich sitzen die größten Datensammler und -händler aber mitten in DE bei der Deutschen Post. Denn wer weiß schon, dass man dort Profile von den Bewohnern ganzer Stadtviertel ganz legal kaufen kann. Oder die tollen Rabattsysteme wie Payback & Co. oder das EC- bzw. Geldkartensystem. Wer weiß denn schon, welche Daten damit erfasst und ganz legal gesammelt, zusammengefasst und ausgewertet werden.
Der gläserne Deutsche ist eine sehr aufschlussreiche Doku des ZDF, die das Thema einmal von dieser Seite beleuchtet. Vorsicht! Das Video liegt bei Google, der ach so bösen Datenkrake.
@ixiter
Danke für deinen Kommentar.
Ich weiß nicht, ich kann es niemandem übel nehmen, wenn er Dinge aufsammelt, die ich achtlos liegen lasse oder sogar absichtlich veröffentliche. Google die Datenkrake speichert nur das, was wir ihr geben, wer das nicht will, kann dementsprechend handeln.
Und da, wo Daten nicht freiwillig gesammelt werden, ermöglicht es uns Google, Einspruch zu erheben, wenn mein Wohnzimmerinventar bei Street View erscheint, kann ich es löschen lassen Dennoch: Es kann jeder hier vorbei kommen und persönlich ins Fenster sehen.
Bei Facebook ist es das gleiche: Es kann doch nicht angehen, dass Facebook dermaßen lasch mit unseren Daten umgeht! Aber wer gibt Facebook die Daten? Und wozu sind sie bestimmt, wenn nicht zum veröffentlichen? Alles andere ergibt in diesem Fall keinen Sinn. Auch auf Facebook steht nur, was ich Facebook sage.
Mehr Sorgen macht es mir, wenn Daten von mir gesammelt werden, die ich eben nicht aktiv weitergebe (Stichwort Post), oder wenn Daten weitergegeben werden, obwohl sie dafür eigentlich (für den Kunden) nicht vorgesehen sind, wie bei Payback und Konsorten.